Nachwuchs kommt nicht von allein

Über fehlende Fachkräfte wird in der Motoren- und Antriebstechnik viel gesprochen. Doch wie gewinnt man junge Menschen für eine Branche, deren Aufgaben immer anspruchsvoller werden?
Die DGS Diesel- und Getriebeservice GmbH zeigt, dass Nachwuchsförderung mehr verlangt als freie Ausbildungsplätze und gelegentliche Stellenanzeigen. Das Unternehmen bildet selbst aus, sucht aktiv den Kontakt zu jungen Menschen und investiert in die Weitergabe von Fachwissen.
Gute Fachkräfte sind gefragt. Wer heute Dieselmotoren und Getriebe wartet, Antriebslösungen für die Elektromobilität realisiert, Fehler diagnostiziert oder komplexe Antriebssysteme instand setzt, benötigt fundierte Kenntnisse und praktische Erfahrung. Doch auch Ersatzteilversorgung, Lagerlogistik, Auftragsabwicklung und kaufmännische Organisation verlangen qualifizierte Mitarbeiter. Ohne das Zusammenspiel dieser Bereich funktioniert kein spezialisierter Servicebetrieb.
Für Unternehmen der Branche stellt sich deshalb längst nicht mehr nur die Frage, woher die nächste Generation von Technikern kommen soll. Auch in der Logistik und in kaufmännischen Bereichen werden qualifizierte Mitarbeiter gebraucht. DGS bildet deshalb in drei Berufsfeldern selbst aus: Industriekaufleute, Fachlageristen/Fachkräfte für Lagerlogistik und Industriemechaniker.
Über die klassische Berufsausbildung hinaus engagiert sich DGS auch in der akademischen Nachwuchsförderung. Eine Werkstudentin schreibt derzeit ihre Masterarbeit im Bereich Elektromobilität und verbindet dabei wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Ingenieursarbeit.
Nachwuchs kommt nicht von allein
Wer auf qualifizierte Bewerber wartet, wird es zunehmend schwer haben. Viele Jugendliche wissen kaum, welche beruflichen Möglichkeiten die Motoren- und Antriebstechnik bietet. Genau hier setzt DGS an.
Das Unternehmen beteiligt sich an Berufsinformationsveranstaltungen
wie der BIM Rheinhessen in Mainz und dem Tag der Technik der IHK Rheinhessen und des ILW Mainz. Bemerkenswert ist dabei, dass DGS nicht allein seine Ausbilder und Personalverantwortlichen schickt. Auch aktuelle und ehemalige Auszubildende übernehmen die Gespräche mit interessierten Jugendlichen.
Sie berichten aus eigener Erfahrung über die Ausbildung, die Arbeit im Unternehmen und ihre beruflichen Möglichkeiten. Das schafft einen anderen Zugang als eine klassische Unternehmenspräsentation. Auf der BIM konnten so auch Kontakte zu neuen Bewerberinnen und Bewerbern geknüpft werden.
Der Ansatz verdient Beachtung. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen können sich bei der Nachwuchsgewinnung nicht allein auf ihren Bekanntheitsgrad verlassen. Sie müssen zeigen, welche Aufgaben und Perspektiven sie bieten.
Ausbildung ist mehr als Wissensvermittlung
Mit dem Ausbildungsbeginn ist die Nachwuchsarbeit allerdings nicht erledigt. Junge Menschen müssen an ihre Aufgaben herangeführt werden, Erfahrungen sammeln und ihren Platz im Unternehmen finden.
Bei DGS gehört dazu auch der Austausch zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen. Beim gemeinsamen Azubi-Tag treffen Nachwuchskräfte aus Werkstatt, Lagerlogistik und Verwaltung auf ihre Ausbilder und ehemalige Auszubildende. Abseits des Arbeitsalltags entstehen Gespräche, für die zwischen Aufträgen und Terminen oft wenig Zeit bleibt. Dass solche Aktivitäten gepflegt werden, ist keineswegs selbstverständlich. Sie zeigen den jungen Mitarbeitern, dass ihre Ausbildung im Unternehmen einen entsprechenden Stellenwert hat.
Ebenso wichtig ist die fachliche Entwicklung. In eigenen Schulungen vermittelt DGS praktische Kenntnisse rund um die Getriebe- und Motorentechnik. Gearbeitet wird in kleinen Gruppen, mit ausreichend Zeit für Fragen und Übungen direkt an den Aggregaten. Die Teilnehmer können technische Zusammenhänge nachvollziehen und einzelne Arbeitsschritte selbst ausführen.
Gerade bei der Instandsetzung von Motoren und Getrieben ist diese Verbindung von Theorie und Praxis unverzichtbar. Erfahrung lässt sich nicht durch technische Dokumentation ersetzen. Sie muss im täglichen Umgang mit der Technik erworben und von erfahrenen Fachleuten weitergegeben werden.

Ein Beispiel, das Schule machen darf
Die Aktivitäten bei DGS sind kein außergewöhnliches Förderprogramm. Vielmehr zeigen sie, was ein Unternehmen selbst unternehmen kann, um junge Menschen für die Branche zu gewinnen und sie während ihrer Ausbildung zu begleiten.
Dazu gehört, auf Jugendliche zuzugehen, eigene Auszubildende einzubinden, den Austausch im Betrieb zu fördern und fachliche Qualifikation nicht mit dem Ausbildungsabschluss als erledigt zu betrachten.
Gerade für die Motoren- und Antriebsbranche ist dieser Ansatz interessant. Denn die Unternehmen benötigen nicht nur Menschen, die sich für Technik begeistern. Sie brauchen ebenso Nachwuchs für Ersatzteilversorgung, Logistik, Organisation und kaufmännische Aufgaben.
DGS zeigt mit seinem Engagement, dass Nachwuchsförderung keine Frage einzelner Veranstaltungen ist, sondern im Unternehmen selbst beginnt. Und dass man dafür nicht auf große Brancheninitiativen warten muss.
Quellen
- Text BEPOINT, Bilder DGS


