Industrielle Reinigung wird häufig über das Ergebnis beurteilt. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist jedoch der gesamte Prozess. Wie groß die Spielräume selbst bei etablierten Anwendungen sein können, zeigt die Zusammenarbeit zwischen den Berliner Verkehrsbetrieben und DST-CHEMICALS: An einer Drehgestell- und Komponentenwaschanlage konnte die Anwendungstemperatur um 10°C gesenkt und die Badstandzeit von 90 auf 120 Tage verlängert werden. In der Gesamtbetrachtung sanken die Kosten um mehr als 20 Prozent.

Drehgestelle, Getriebe und andere Komponenten des Antriebsstrangs sind im Betrieb hohen Belastungen ausgesetzt. Öle, Fette und betriebsbedingte Verschmutzungen müssen zuverlässig entfernt werden, bevor Bauteile geprüft, überholt oder instand gesetzt werden können. Die Teilereinigung gehört damit zu den selbstverständlichen Abläufen einer Werkstatt – und gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn ein gutes Reinigungsergebnis sagt zunächst wenig darüber aus, wie wirtschaftlich es erreicht wurde. Anwendungstemperatur und Waschzeit, Konzentration und Standzeit des Reinigungsbades, Energie- und Chemieverbrauch sowie der Aufwand für Badwechsel und Entsorgung bestimmen die Kosten des Prozesses wesentlich mit.
An diesem Punkt begann im September 2023 die Zusammenarbeit zwischen den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und DST-CHEMICALS. Ausgangspunkt war die Drehgestell- und Komponentenwaschanlage in der U-Bahn-Hauptwerkstatt Seestraße.
Bevor über eine andere Reinigungschemie gesprochen wurde, nahm DST gemeinsam mit den Verantwortlichen der BVG den bestehenden Prozess auf. Betrachtet wurden das eingesetzte Reinigungsmedium, die Anwendungstemperatur, Waschzeiten und Badstandzeit sowie die Anforderungen an das Reinigungsergebnis.
Der Ansatz dahinter ist ebenso einfach wie in der Praxis relevant: Reinigungschemie arbeitet nicht unabhängig von den Bedingungen, unter denen sie eingesetzt wird. Temperatur, Zeit, Mechanik, Konzentration und Verschmutzung beeinflussen sich gegenseitig. Wer einen dieser Parameter verändert, verändert damit immer auch einen Teil des Gesamtprozesses. Auf Grundlage dieser Analyse wurde DST-DEGREEZ/9E als alternatives Reinigungsmedium ausgewählt. Ob sich damit tatsächlich Vorteile erzielen lassen, sollte allerdings nicht ein kurzfristiger Versuch zeigen. Gemeinsam mit der BVG wurde eine mehrmonatige Erprobung unter realen Betriebsbedingungen vereinbart.

Unter realen Bedingungen
Der Praxistest begann im November 2023 und lief bis Januar 2024. Während dieser Zeit wurden die relevanten Betriebswerte erfasst und anschließend im Rahmen einer Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung ausgewertet. Nicht der Preis des Reinigungsmediums stand damit im Mittelpunkt, sondern die Wirtschaftlichkeit des gesamten Prozesses.

Die Ergebnisse waren deutlich. Die Anwendungstemperatur konnte um zehn Grad Celsius reduziert werden. Gleichzeitig verlängerte sich die Badstandzeit von 90 auf 120 Tage, entsprechend rund 33 Prozent. Nach Angaben der Projektbeteiligten verbesserten sich zudem die Waschergebnisse. In der Gesamtbetrachtung ergaben sich Einsparungen von mehr als 20 Prozent.
Die einzelnen Effekte greifen ineinander. Eine niedrigere Prozesstemperatur reduziert den Energiebedarf der Anlage. Die längere Badstandzeit verringert die Zahl der notwendigen Badwechsel und damit den Verbrauch an Reinigungschemie ebenso wie den Aufwand für Entsorgung, Neubefüllung und die damit verbundenen Arbeiten.
Gerade hier zeigt sich die Grenze eines reinen Produktvergleichs. Für die Kosten eines Reinigungsprozesses ist nicht entscheidend, was ein Liter Chemie kostet, sondern welcher Gesamtaufwand erforderlich ist, um ein definiertes Reinigungsergebnis dauerhaft und reproduzierbar zu erreichen.

„Unser Anspruch ist es, nicht einfach nur Reinigungschemie zu liefern, sondern Prozesse nachhaltig zu verbessern. Dafür betrachten wir jede Anwendung ganzheitlich und stimmen Chemie und Prozessparameter aufeinander ab. Die Zusammenarbeit mit der BVG zeigt, was dadurch möglich wird: bessere Reinigungsergebnisse bei gleichzeitig geringeren Kosten.“
Sven Kopp, DST-CHEMICALS Country Manager DACH
Vom Test zur dauerhaften Anwendung
Nach Abschluss der Erprobung stellte die BVG die Anlage in der Hauptwerkstatt Seestraße dauerhaft auf DST-DEGREEZ/9E um. Noch interessanter als diese Entscheidung ist die weitere Entwicklung der Zusammenarbeit.
Die Erfahrungen aus Seestraße wurden innerhalb der BVG weitergegeben. In der Betriebswerkstatt Grunewald folgten zunächst kleinere Anlagen und Reinigungsprozesse. Mit dem Neubau der dortigen Betriebswerkstatthalle kam schließlich eine weitere großvolumige Drehgestell-Waschanlage hinzu. Auch hier wird die Reinigungslösung heute für Drehgestelle und Getriebekomponenten eingesetzt.

Aus dem Test an einer einzelnen Anlage entwickelte sich damit schrittweise eine standortübergreifende Zusammenarbeit. Ein wesentlicher Bestandteil sind regelmäßige Servicebesuche von DST-CHEMICALS.
Denn auch ein einmal optimierter Reinigungsprozess bleibt nicht zwangsläufig dauerhaft unter denselben Bedingungen. Anlagenauslastung, Verschmutzung und Teilespektrum können sich verändern. Die Anwendungen werden deshalb regelmäßig betrachtet und die Prozessparameter bei Bedarf gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort angepasst.

Was sich aus 10°C lernen lässt
Das Beispiel der BVG zeigt, dass sich die Wirtschaftlichkeit industrieller Reinigung nicht an einer einzelnen Größe festmachen lässt. Erst das Zusammenspiel von Reinigungsleistung, Energieeinsatz, Badstandzeit, Chemieverbrauch und betrieblichem Aufwand ergibt ein belastbares Bild.
Gerade bei etablierten Werkstattprozessen ist das interessant. Viele Anlagen laufen über Jahre zuverlässig. Parameter sind eingespielt, das Reinigungsergebnis stimmt, ein unmittelbarer Anlass zur Veränderung besteht nicht. Dennoch können sich unter diesen Bedingungen Reserven verbergen, die im laufenden Betrieb kaum auffallen.
Bei der BVG waren es zehn Grad Celsius weniger Anwendungstemperatur und 30 zusätzliche Tage Badstandzeit. In der Gesamtbetrachtung summierten sich die Effekte auf Einsparungen von mehr als 20 Prozent – bei gleichzeitig verbesserten Waschergebnissen.
Dass die BVG die Reinigungslösung nach dem erfolgreichen Praxistest nicht nur dauerhaft einsetzte, sondern auch auf weitere Anwendungen übertrug, unterstreicht die erzielten Ergebnisse. Zugleich zeigt die Zusammenarbeit mit DST-CHEMICALS, dass auch seit Jahren etablierte und bewährte Reinigungsprozesse durch eine gezielte Analyse und Anpassung noch erhebliches Optimierungspotenzial bieten können.

Quellen
- Text BEPOINT, Bilder BDV / DST


