Bosch setzt bei Schiffsantrieben auf Methanol und Ammoniak

Bosch entwickelt seine Einspritztechnik für Großmotoren weiter. Auf der Schifffahrtsmesse SMM in Hamburg präsentiert das Unternehmen einen neuen Injektor, der unter anderem mit Wasserstoff, Methanol, Ethanol und Ammoniak betrieben werden kann.
Ein Injektor für unterschiedliche Kraftstoffe: Bosch setzt auf neue Kraftstoffe in der Schifffahrt.
Foto: Bosch

Die Schifffahrt steht vor einem schwierigen Spagat: Der internationale Warenverkehr wächst, gleichzeitig soll die Branche ihre Treibhausgasemissionen drastisch reduzieren. Der Konzern sieht darin einen wachsenden Markt für neue Antriebstechnologien und entwickelt Einspritzsysteme, mit denen Großmotoren künftig unter anderem mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden können. Mit der neuen Injektortechnik, die sowohl für die Saugrohreinspritzung als auch für Niederdruck-Direkteinspritzung nutzbar ist, könnten die Flotten schneller und flexibler auf nachhaltige Kraftstoffe umgestellt werden. Derzeit befindet sich der neue Injektor bei einem asiastischen Kunden in Erprobung.

Schifffahrt sucht Alternativen zum Diesel

Der Handlungsdruck in der Branche ist erheblich. Rund 80 Prozent des internationalen Warenverkehrs werden nach Unternehmens-Angaben über Schiffe abgewickelt. Gleichzeitig verursacht die internationale Schifffahrt etwa zwei bis drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen.

Und der Transportbedarf dürfte weiter steigen: Bosch verweist auf Prognosen der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD, nach denen der weltweite Seeverkehr bis 2030 durchschnittlich um rund zwei Prozent pro Jahr wachsen könnte. Langfristige Szenarien des International Transport Forum gehen zudem davon aus, dass sich die globale Güterverkehrsleistung zwischen 2019 und 2050 annähernd verdoppeln könnte.

Für Motorenhersteller und Zulieferer bedeutet das: Die bestehenden Antriebssysteme müssen klimaverträglicher werden, ohne dass Schiffe auf die ferforderlichen Reichweiten und Leistungen verzichten müssen. Bosch setzt dabei nicht auf einen einzigen Energieträger – regenerative Kraftstoffe könnten sich daher zunehmend als Alternative etablieren.

Bislang arbeiten mittelschnell und schnelllaufende Großmotoren, in denen Einspritztechnik von Bosch zum Einsatz kommt, überwiegend mit Diesel oder dieselbasierten Kraftstoffen. Sie kommen unter anderem in Fähren, Schleppern und Yachten sowie in Generatoren zur Stromversorgung großer Container- und Frachtschiffe zum Einsatz. Schon heute können ausgewählte System mit sogenannten Drop-in-Kraftstoffen wie Biodiesel oder paraffinischem Diesel betrieben werden. Künftig soll das Spektrum deutlich größer werden.

Technische Herausforderungen bleiben

Bei gasförmigen Kraftstoffen kommen spezielle Einblasventile zum Einsatz. Foto: Bosch

Der Wechsel auf alternative Kraftstoffe ist allerdings nicht damit getan, einen Schiffsmotor mit einem anderen Treibstoff zu betanken. Besonders bei Methanol und Ammoniak müssen Motoren und Einspritzsysteme angepasst werden.

Bei Methanol beschäftigen sich die Entwickler beispielsweise mit veränderten Brennverfahren, der Kaltstartfähigkeit sowie mit Materialverträglichkeit und Verschleiß. Bestehende Komponenten seien ohne entsprechende Anpassungen nicht für den Einsatz mit Methanol oder Ammoniak geeignet, erklärt Bosch.

Für gasförmige Kraftstoffe wie Wasserstoff und Ammoniak entwickelt das Unternehmen außerdem spezielle Einblasventile. Die Technik ist nicht allein für die Schifffahrt vorgesehen. Einsatzmöglichkeiten sieht Bosch auch bei stationären Großmotoren, Baumaschinen und Lokomotiven.

Millioneninvestition in Hallein

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung spielt der Bosch-Standort Hallein in Österreich. Dort hat der Konzern eine neue Methanol-Infrastruktur in Betrieb genommen und nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag investiert.

Hallein ist innerhalb des Bosch-Konzerns das weltweite Kompetenzzentrum für Einspritzsysteme von Großmotoren. Die neue Infrastruktur soll es ermöglichen, Komponenten und Systeme für den Methanolbetrieb weiterzuentwickeln und bis zur Serienreife zu bringen.

„Für die Dekarbonisierung von Großmotoren braucht es technologische Vielfalt – insbesondere dort, wo Elektrifizierung an ihre Grenzen stößt“, sagt Stefan Schenk, der bei Bosch Power Solutions für den Produktbereich Large Engines verantwortlich ist.

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