Dieselmotoren bleiben im Schienenverkehr über Jahrzehnte im Einsatz. Sie treiben Lokomotiven an, versorgen Arbeitsmaschinen mit Energie oder übernehmen den Antrieb von Generatoren und Nebenaggregaten. Ihre Instandsetzung verlangt zunehmend mehr als die klassische Überholung. Bei Motoren Henze in Hannover zeigt sich, wie unterschiedlich die Anforderungen sind und welcher Aufwand inzwischen betrieben wird, um ältere Motorengenerationen weiter nutzen zu können.

Ein Yanmar 4TNE84 aus einem Lech-Aggregat, ein MWM D601-6 aus einer Diesellokomotive oder ein Cummins QST30 aus einem Schienenschleifzug haben zunächst wenig gemeinsam. Ihre Baugrößen, Leistungsbereiche und Aufgaben unterscheiden sich erheblich. Bei Motoren Henze in Hannover gehören sie dennoch zum Werkstattalltag.

Allein von den Lech-Aggregaten mit Yanmar-Motoren betreut das Unternehmen rund 30 Einheiten. Sie werden regelmäßig gewartet, zwischenüberholt, generalüberholt und bei Bedarf technisch modifiziert. Ein bereits instand gesetzter Austauschmotor steht auf Lager, um bei einem Ausfall kurzfristig reagieren zu können.
Einige dieser Motoren haben nach Einschätzung von Henze inzwischen mehr als 40.000 Betriebsstunden erreicht. Viele wurden im Laufe ihres Einsatzlebens bereits mehrfach instand gesetzt. Anders als bei festgelegten Überholungsintervallen kommen die Aggregate häufig erst dann in die Werkstatt, wenn sich technische Probleme zeigen.
Zum Arbeitsumfang gehören ebenso Deutz-Motoren aus Waggonaggregaten, Mercedes- und Deutz-Dieselmotoren aus Schotterpflügen und Stopfmaschinen sowie unterschiedliche Cummins-Baureihen aus Schienenschleifzügen. Bei diesen übernehmen die Mitarbeiter neben planmäßigen Wartungen und Generalüberholungen auch kurzfristige Einsätze. Teilweise begleiten Techniker die Züge während ihres Betriebs.
Ersatzteile werden zur technischen Herausforderung
Nach der Demontage entscheidet die Befundung über den weiteren Arbeitsumfang. Zylinderköpfe, Kurbelwellen, Lagerstellen und weitere Komponenten werden geprüft und vermessen. Welche Bauteile weiterverwendet, bearbeitet oder ersetzt werden können, hängt vom Verschleißzustand und zunehmend auch von der Ersatzteilversorgung ab.
Die bei Henze bearbeiteten Bahnmotoren sind teilweise zwischen zehn und 50 Jahre alt. Für viele Baureihen sind noch Originalteile oder Komponenten aus dem internationalen Aftermarket erhältlich. Allerdings wird die Beschaffung schwieriger, insbesondere bei Motoren, deren Produktion bereits vor längerer Zeit eingestellt wurde.
Bei den Cummins QST30-Motoren hat Henze deshalb gemeinsam mit Kunden begonnen, gezielt Ersatzteilbestände aufzubauen. Verfügbare Restbestände werden gesichert, um auch künftig Instandsetzungen durchführen zu können.
Bei älteren MWM-Motoren aus Diesellokomotiven geht das Unternehmen einen anderen Weg. Ganze Motoren werden aufgekauft und als Ersatzteilspender genutzt. Auch die Eigenanfertigung nicht mehr verfügbarer Komponenten gehört inzwischen zur Praxis.

Damit verändert sich die Arbeit des Instandsetzers. Neben der eigentlichen mechanischen Bearbeitung müssen Ersatzteile frühzeitig identifiziert, beschafft oder durch technisch geeignete Lösungen ersetzt werden. Gerade bei seltenen Motorbaureihen kann diese Vorbereitung über den zeitlichen Verlauf einer Instandsetzung entscheiden.
Nicht jede Reparatur ist dabei wirtschaftlich sinnvoll. Bei kleineren Aggregaten, etwa von Kubota oder Hatz, werden größere Schäden deshalb teilweise durch den Austausch des kompletten Motors behoben. Bei anderen Motoren lohnt sich dagegen die aufwendige Aufarbeitung einzelner Komponenten.
Zwischen Werkstatt, Prüfstand und Bahnbetrieb
Wie unterschiedlich der Arbeitsumfang ausfallen kann, zeigt sich auch an den Durchlaufzeiten. Eine Instandsetzung dauert bei Henze zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten. Entscheidend sind der technische Zustand, der Umfang der mechanischen Bearbeitung, notwendige Fremdarbeiten und die Verfügbarkeit der benötigten Teile.
Nach der Montage werden die instand gesetzten Motoren grundsätzlich einem Prüflauf unterzogen. Je nach Aggregat erfolgt dieser auf dem eigenen Prüfstand in Hannover, bei einem entsprechend ausgestatteten Partnerbetrieb oder nach dem Einbau direkt im Fahrzeug.
Geprüft wird in unterschiedlichen Leistungsstufen. Hinzu kommen Kontrollen auf Dichtheit und korrekte Montage der Bauteile. Die Ergebnisse werden in Prüflaufprotokollen dokumentiert.

Ein Teil der Arbeiten findet allerdings nicht in der eigenen Instandsetzungsabteilung statt. Gerade kleinere Aggregate werden häufig direkt in den Werkstätten oder Betriebshallen der Kunden gewartet. Bei umfangreicheren Schäden demontieren die Servicetechniker einzelne Komponenten vor Ort und bringen sie zur weiteren Bearbeitung in den eigenen Betrieb.
Auch nach einer Generalüberholung unterscheiden sich die weiteren Wege. In der Regel gehen die Motoren zurück an die Kunden, die sie in ihren Werkstätten wieder einbauen und in Betrieb nehmen. Bei Bedarf unterstützt Henze die Inbetriebnahme mit eigenen Technikern.
Andere Aggregate werden zunächst eingelagert. So übernimmt Henze auch Generalüberholungen von MAN D0826-Motoren, die nach dem Prüflauf beim Kunden als Reserve vorgehalten werden und möglicherweise erst Jahre später wieder zum Einsatz kommen.
Für die Instandsetzung bedeutet das, nicht nur den aktuellen technischen Zustand eines Motors zu berücksichtigen, sondern auch seine weitere Verwendung. Ein Aggregat, das kurzfristig wieder in einen Schienenschleifzug eingebaut werden muss, stellt andere Anforderungen an Planung und Teileverfügbarkeit als ein Motor, der nach der Überholung zunächst eingelagert wird.
Die lange Nutzungsdauer vieler Bahnmotoren zeigt, welche Bedeutung der Instandsetzung weiterhin zukommt. Solange sich die technische Substanz erhalten lässt und benötigte Komponenten verfügbar gemacht werden können, bleiben auch Motoren im Einsatz, deren ursprüngliche Produktion längst eingestellt wurde.
Quellen
- Text BEPOINT, Bilder Henze


